Liebe Eltern, liebe Erziehungsberechtigte,

 

Gewalt an Schulen ist ein Thema, das in den Medien immer häufiger auftaucht und nicht nur bei Eltern zu Verunsicherung führt. Das Gymnasium Neustadt zieht klar Stellung über einen wertschätzenden Umgang miteinander (Vereinbarung dazu als PDF). Während uns Zeitung und Fernsehen über die Spitzen des Eisbergs »Gewalt« informieren, wissen immer noch zu wenig Menschen über eine wesentlich häufigere Gewaltform an Schulen Bescheid. »Mobbing« ist ein Begriff, den viele schon gehört haben, doch was verbirgt sich dahinter?

Es gibt vier klare Kennzeichen für Mobbing:

  • Kräfteungleichgewicht: Das Mobbing-Opfer ist häufig alleine und steht einem oder mehreren Mobbern und deren Mitläufern gegenüber.
  • Häufigkeit: Die Übergriffe auf das Opfer kommen mindestens einmal pro Woche vor.
  • Dauer: Die Übergriffe erfolgen bereits über einen längeren Zeitraum (Wochen oder Monate).
  • Konfliktlösung: Das Opfer ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, das Mobbing zu beenden.

Die Übergriffe können ganz unterschiedlich aussehen: Auslachen von Mitschülern, Beleidigen oder Beschimpfen, Verbreiten von Unwahrheiten, Verstecken von Sachen, Zerstörung von persönlichem Eigentum, Anrempeln, Erniedrigen, Ausschließen. Gemeinsam sind ihnen vor allem die seelischen Verletzungen, die bei Kindern über lange Zeit nicht verheilen.

Mobbing kann an Schulen nur stattfinden, wenn die Gewaltsituation im Geheimen stattfindet (z.B. im Schulbus, in Ecken des Pausenhofs, auf den Toiletten). Diese Anonymität macht es Außenstehenden so schwer, angemessen zu reagieren. Oft bekommen Lehrer/innen oder Eltern es gar nicht mit, dass Kinder gemobbt werden. Die Opfer selbst sind meist so eingeschüchtert, dass sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.

Diese Information soll Ihnen als Eltern helfen, erste Anzeichen von Mobbing bei Ihren Kindern zu erkennen. Typische Kennzeichen können die folgenden Verhaltensweisen sein:

  • Ihr Kind kommt bedrückt nach Hause.
  • Ihr Kind erhält keine Einladungen zu Kindergeburtstagen.
  • Ihr Kind wirkt unsicher, sein Selbstwertgefühl nimmt immer mehr ab (erkennbar z.B. beim Erledigen von Hausaufgaben, die ihm plötzlich »unlösbar« erscheinen).
  • Ihr Kind zieht sich immer mehr in sich zurück.
  • Ihr Kind zeigt einen starken Abfall in den schulischen Leistungen.
  • Ihr Kind zeigt immer häufiger körperliche Beschwerden wie z.B. Bauchweh oder Kopfschmerzen.
  • Ihr Kind will nicht mehr in die Schule gehen.
  • Ihr Kind will nicht mehr mit dem Bus zur Schule fahren.
  • Ihr Kind hat häufig Albträume.
  • Ihr Kind beginnt zu stottern.
  • Ihr Kind verliert angeblich immer wieder Geld (das Geld wird verwendet, um die Mobber zu bezahlen).

Sollten Sie eines oder sogar mehrere dieser Kennzeichen bei Ihrem Kind bemerken, so sprechen Sie es in einem ruhigen Moment vorsichtig darauf an. Seien Sie einfühlsam, lassen Sie ihm Zeit und vermeiden Sie ein »Aushorchen«. Wenn Ihr Kind Ihr ernsthaftes Interesse und Ihre Bereitschaft zur Hilfe spürt, wird es sich Ihnen sehr bald anvertrauen.

Aber auch, wenn Ihr Kind weiterhin über seine Probleme schweigt, sollten Sie in jedem Fall mit uns sprechen. Rufen Sie uns an und vereinbaren Sie möglichst bald einen Termin mit der Klassenleitung, der Beratungslehrerin Frau Sertl oder der Schulpsychologin Frau Bäuml, damit wir gemeinsam sehen können, was genau die Ursachen für die Verhaltensänderungen bei Ihrem Kind sind.

Es ist uns wichtig, Ihr Kind bei der Bewältigung seiner Probleme zu unterstützen. Die Erfahrung zeigt, dass viele Opfer erst mit Hilfe von außen in der Lage sind, geeignete Schutzmechanismen gegenüber den Angriffen zu entwickeln, einzustudieren und nach einiger Zeit erfolgreich zu ihrem eigenen Schutz einzusetzen. Dies ist unsere Aufgabe als Schule.
Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie sich gerne an uns wenden!
Schulberatung am Gymnasium Neustadt
Raum 213
Tel.: 0172/6585170

(angelehnt an Jannan, Mustafa (2015). Das Anti-Mobbing-Buch. Weinheim: Beltz Verlag.)